„Ihr Paket kann nicht zugestellt werden“
Mit solchen Fake-SMS zockt ein kriminelles Netzwerk hunderttausende Menschen ab. Wir haben exklusive Einblicke in die Methode gewonnen und Täter identifiziert. In diesem Erzählcafé zeigen Alexander Nabert und Maximilian Zierer, wie diese internationale Recherche mit einem Hinweis von Hackern begann und uns in ein anderthalbjähriges Recherche-Rabbithole brachte. Wir erzählen konkret, welche Spuren wir verfolgten und wie wir methodisch vorgingen:
Mit OSINT-Recherchen verfolgten wir die Spuren der Scammer aus klandestinen chinesischsprachigen Telegramgruppen bis zu privaten Instagram-Accounts, auf denen sie öffentlich mit ihrem Reichtum prahlen.
Ein umfangreicher Datensatz mit rund 900.000 Betroffenen löste in uns den Call-Center-Modus aus. Wir riefen mehr als 200 Betroffene in Deutschland an, um Protagonisten zu finden und zu verstehen, wie der Scam abläuft. Am Ende fanden wir einen Chefredakteur und eine ehemalige Bundesministerin in den Daten. Mit einer Datenanalyse fanden wir heraus, dass die Scammer ihre Phishing-Seiten vor dem Einsatz testen und konnten so zeigen, dass viele der Scammer vom chinesischen Festland aus operieren.
Wir untersuchten die Software, mit der die Scammer betrügen und fanden heraus, dass sie es auf mehr als 130 Länder abgesehen haben – nur ausgerechnet auf China nicht.
Zwei der umtriebigsten chinesischen Scammer konnten wir in Bangkok lokalisieren. Dort klapperten wir Malls, Clubs und Bars ab, bis wir schließlich einen von ihnen zur Rede stellen konnten. Wir zeigen, wie so eine Vor-Ort-Recherche gemeinsam mit dem Team in Deutschland abläuft, mit automatisiertem Monitoring von Instagram-Kanälen und OSINT-Recherchen in Echtzeit. Anhand dieses Recherchebeispiels zeigen wir, wie vielfältig investigative Recherchemethoden im Jahr 2026 sind und wie die verschiedenen Recherchedisziplinen ineinandergreifen.
Die dreiteilige Investigativ-Dokuserie erschien im April in der
ARD-Mediathek. Eine gemeinsame Recherche mit NRK (Norwegen) und Le Monde (Frankreich).