Immer wieder haben Journalisten mit traumatisierten Menschen zu tun. Das, was diese Menschen Schreckliches erlebt haben, ist oft Ausgangspunkt für unsere weitere Recherche.
Im Umgang mit traumatisierten Quellen kann man viel falsch machen, aber auch vieles richtig. Viele Journalisten haben Angst davor, mit diesen Menschen zu arbeiten, weil sie fürchten, ihre Fragen könnten die Menschen retraumatisieren. Das muss nicht sein.
Wenn man einmal das Prinzip verstanden hat, kann die richtige Art der Recherche den Menschen sogar bei der Verarbeitung helfen.
Ich habe in der Vergangenheit immer wieder mit traumatisierten Quellen gearbeitet, zuletzt für die ZDF-Filme „Tod im Kreißsaal“ und „Weil du mir gehörst! Wenn Männer ihre Frauen töten.“
Für den ersten Film habe ich Dutzende Frauen gesprochen, die ein Geburtstrauma hatten und deren Baby schwer behindert oder tot zur Welt kam. Für den zweiten Film habe ich mit den Angehörigen von hundert Frauen gesprochen, die von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet worden sind.
Dabei habe ich mir einen Werkzeugkasten erarbeitet, der es mir ermöglicht, dass die Recherche für mich und für die Quellen zu einem guten Erlebnis wird. Diese Werkzeuge würde ich im Workshop gerne benennen, außerdem möchte ich auch etwas über die Theorie dahinter erzählen:
- Warum kann es für Menschen heilsam sein, wenn sie die schlimmsten Erlebnisse ihres Lebens einem Fremden erzählen?
- Wie wahren wir gleichzeitig Grenzen?
- Was bedeutet Rollenklarheit?
- Was können wir als Journalisten leisten und was nicht?
- Und, natürlich: Wie schützen wir unsere Quellen vor einer Retraumatisierung?
Wie gehen wir damit um, wenn die Recherche uns selbst an Grenzen bringt - oder uns an schreckliche Erlebnisse in unserem Leben erinnert?
Und was tun wir, wenn unsere Quelle während des Interviews dissoziiert?