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Friday June 12, 2026 14:00 - 15:00 CEST
Am 23. Februar 2025, dem Tag der vorgezogenen Bundestagswahl, greift ein Hacker die taz an. Es gelingt ihm, unsere Webseite für mehrere Stunden lahmzulegen. Er trifft uns an empfindlicher Stelle: An einem für eine Nachrichtenredaktion so wichtigen Tag können wir online nicht berichten. Leser:innen, die taz.de ansteuern, bekommen eine Fehlermeldung. Erst später stellt sich heraus: Es war nicht das erste Mal, dass der Hacker ein Medium attackierte. Vor allem in Ungarn, aber auch in Österreich, hatte er bereits liberale und unabhängige Medien sabotiert. Auch die taz griff er nicht zum ersten Mal an.

Wir können das heute so klar benennen, weil die taz auf die Hackeraktion nicht nur mit technischen Gegenmaßnahmen reagierte, sondern auch mit journalistischer Recherche: Wir konnten herausfinden, woher der Angreifer kam.
Das ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Einerseits, weil wir in der taz dafür eine ungewohnte Kooperation zwischen IT-Abteilung und Redaktion eingingen. Andererseits, weil unsere Transparenz über den Cyberangriff in der deutschen Medienlandschaft außergewöhnlich ist. Zusammen mit Pierre van Dinh aus der IT-Abteilung des Medienhauses sind wir, die zwei Redakteur:innen Jean-Philipp Baeck und Anne Fromm, für unsere Recherche unter anderem die Logfiles des Angriffs durchgegangen. Was für uns zunächst aussah wie unverständliches Kauderwelsch, entpuppte sich schnell als wichtige Spur: Der Hacker hatte über die Serverprotokolle Botschaften an uns geschickt. So sind wir darauf gestoßen, dass er bereits zuvor unabhängige Medien in Ungarn und auch die taz angegriffen hatte.

Wir sprachen mit anderen betroffenen Medien, trugen deren Erkenntnisse zusammen. In Hackerforen im Darknet fanden wir weitere Hinweise auf eine groß angelegte Angriffswelle gegen westliche Medien. Auf so viel Auskunftsfreude wie bei anderen europäischen Medien stießen wir in Deutschland nicht. Zwar bestätigten uns Kolleg:innen, dass auch ihre Häuser häufig solche Attacken erleben wie wir. Öffentlich darüber sprechen wollte allerdings niemand.

Wir finden es wichtig, transparent zu machen, wie sehr die freie Presse mittlerweile unter digitalem Beschuss steht. Wir wollen darüber sprechen, wie und warum wir diese Recherche gemacht haben – und gleichzeitig aufzeigen, dass wir sie allein nicht hätten stemmen können.
Ganz wesentlich für unsere Recherche war die Kooperation mit unserem Kollegen aus der IT und mit den anderen Medien in Ungarn und Österreich.
Speakers
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Anne Fromm

Ressortleitung Reportage & Recherche, taz
arbeitet seit 2014 bei der taz, zunächst im Medienressort, seit 2021 im Ressort Reportage/Recherche, mit Schwerpunkt auf Investigativrecherche. Leitet das Ressort seit Sommer 2023
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Jean-Philipp Baeck

Investigativreporter, taz, die tageszeitung
Baeck arbeitet investigativ als Reporter bei der taz und ist stellv. Leiter des Ressorts Reportage & Recherche. Er war zuvor Produktentwickler der taz im Netz, Chef vom Dienst der taz nord in Hamburg, Redakteur und Volontär der taz in Bremen. Er arbeitet seit 2011 als Journalist... Read More →
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Pierre Dinh van

SysAdmin / EDV, taz, die tageszeitung
*1983. Seit 2016 als Unix Administrator in der taz beschäftigt. Ich mag keine proprietäre Software und lehne Cloud-Providers grundsätzlich ab.
Friday June 12, 2026 14:00 - 15:00 CEST
K0 (Gästezentrum)

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