Journalist:innen gelten als wichtige Brückenbauer:innen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, und zwar über Ressortgrenzen hinweg. Doch was, wenn Studien gefälscht, Daten manipuliert oder Peer Reviews nur Makulatur sind?
Mit diesem Panel möchte ich dazu ermutigen, Wissenschaft nicht nur als „Quelle“ zu behandeln, sondern als eigenes Recherchefeld. Denn wer Wissenschaft journalistisch begleitet, sollte auch ihre Bedingungen, die dahinterliegenden Machtstrukturen und Schattenseiten verstehen – gerade in Zeiten, in denen Studien zunehmend zur Grundlage politischer Entscheidungen werden.
Dieses Panel wirft einen kritischen Blick auf ein Thema, das viel zu wenig Beachtung findet: Wissenschaftsbetrug. Trotz spektakulärer Einzelfälle wie bei Didier Raoult, Eliezer Masliah oder Marc Tessier-Lavigne bleibt die Berichterstattung über Wissenschaftsintegrität meist reaktiv. Wenn überhaupt berichtet wird, dann fragmentiert, meist ohne Blick auf strukturelle Probleme.
Der Input dieser Veranstaltung basiert auf meiner (noch immer laufenden) Langzeitrecherche „Angriff auf die Wahrheit“, die ich bislang für den Spiegel, der NZZ, Reportagen, den Bayerischen Rundfunk, Tagesspiegel Background, Spektrum der Wissenschaft und den Focus aufgeschrieben habe, beispielsweise zu Themen wie:
- Wie öffentlich zugängliche Gesundheitsdatenbanken gekapert werden, um mittels KI glaubwürdige, aber erfundene Studien zu produzieren – und so das FAIR-Prinzip der Wissenschaft untergraben wird.
- Warum Rankings, Metriken und wirtschaftliche Interessen Wissenschaft verfälschen – und Politik, Gesellschaft und auch Journalist:innen in die Irre führen.
- Wie das Peer-Review-Verfahren unter Druck gerät und Review-Mills gefälschte Gutachten am Fließband liefern – und was das für uns Medienschaffende bedeutet.
- Welche Rolle Verlage, Institutionen und politische Anreizsysteme bei der Aufrechterhaltung eines defekten Systems spielen.