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Friday, June 12
 

10:45 CEST

Wie Informationsfreiheitsanfragen im Ausland einen deutschen Medizinskandal aufgedeckt haben
Friday June 12, 2026 10:45 - 11:45 CEST
Das Rechercheteam hat einen Medizinskandal aufgedeckt, der letztlich alle betrifft: Über 100 Ärzt:innen in ganz Europa praktizieren weiter, obwohl sie anderswo längst ihre Approbation verloren haben – etwa wegen sexuellen Missbrauchs oder schwerer Behandlungsfehler. Die Öffentlichkeit wusste davon bislang nichts. Erst die Recherche #BadPractice hat diesen Missstand sichtbar gemacht.
Anne Herzlieb, Susanne Amann und Sophia Stahl hatten dabei eine tragende Rolle und deckten allein in Deutschland 30 Fälle auf – darunter einen Arzt, der hier weiter praktiziert, obwohl das norwegische Gesundheitsministerium ihn als gefährlich einstuft und mehrfach vor ihm gewarnt hat.

Möglich wurde diese Recherche durch Datensätze, die über Informationsfreiheitsanfragen im Ausland erstritten wurden. Doch wie stellt man solche Anfragen überhaupt? Wie wertet man anschließend mehr als zwei Millionen Datensätze aus? Und wie führt man Gespräche mit Ärztekammern und Approbationsbehörden, die sich immer wieder hinter dem Argument des Datenschutzes verschanzen?
Das Panel ist daher ein praxisnaher Einblick in internationale Datenrecherche: Wie man Informationen jenseits deutscher Datenschutzgrenzen erlangt, wie man große Datensätze strukturiert – und wie man damit am Ende trotz Widerständen zu einer belastbaren Veröffentlichung kommt.
Speakers
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Susanne Amann

DER SPIEGEL
Geboren 1976 in Stuttgart. Studium der Politikwissenschaft und Journalistik in Leipzig und Madrid. Volontariat bei der »taz – die tageszeitung« in Berlin, im Anschluss Redakteurin bei der »taz« und der »Financial Times Deutschland«. Ab März 2007 Wirtschaftsredakteurin und... Read More →
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Sophia Stahl

reporter, paper trail media
Nach Journalistikstudium in Dortmund und Perugia in Italien, ausgebildet und gearbeitet bei CORRECTIV. Recherchen zu Rechtsextremismus, Cum-Ex 2.0 und Wissenschaftskooperationen mit China. Seit zwei Jahren bei paper trail media in München. Dort recherchiert sie Gesundheitsskandale... Read More →
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Anne Herzlieb

Reporterin, ZDF "frontal"
Anne Herzlieb ist Reporterin beim ZDF-Politmagazin "frontal". Zuvor war sie als Videojournalistin im Reporterpool der Deutschen Welle im Ausland unterwegs u.a. in der Ukraine, Italien und Tunesien sowie als Reporterin im ZDF Studio Brandenburg mit dem Themenfokus AfD und Rechtsextremismus... Read More →
Friday June 12, 2026 10:45 - 11:45 CEST
U2
  International
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12:00 CEST

Wenn die Immobilienplattform mehr weiß als die Stadtverwaltung: Was können (und sollen) Daten aus der Privatwirtschaft im Journalismus?
Friday June 12, 2026 12:00 - 13:00 CEST
Relevante Datengeschichten entstehen längst nicht immer auf Basis öffentlicher oder wissenschaftlicher Daten. Immer häufiger greifen Journalist:innen auf Quellen aus der Privatwirtschaft zurück: Daten von Immobilienplattformen, Navigationsdiensten oder Energieanbietern können Datenlücken schließen, manchmal sind sie auch präziser oder aktueller. Daten-Aggregatoren wie North Data oder das neu entstandene Data Analytics Institute machen Daten für den Journalismus deutlich einfacher zugänglich.

Doch solche Kooperationen werfen Fragen auf: Wie verlässlich sind die Daten? Was schreibt man in Kooperationsvereinbarungen? Hängen Journalist:innen dadurch am Tropf privater Datenlieferanten? Und wie vermeiden sie es, ausschließlich deren Marketing-Logik zu übernehmen?

Das diskutieren wir mit konkreten Beispielen und Vertreter:innen aus der Praxis zwischen Datenjournalismus und Datenwirtschaft. Gemeinsam mit den Teilnehmer:innen sprechen wir über Chancen, Risiken und Verantwortlichkeiten datengetriebener Recherchen im Spannungsfeld zwischen öffentlichem Interesse und privater Datensammlung.
Speakers
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Nina Breher

Ressortleiterin Innovation Lab, Tagesspiegel
Nina Breher leitet das Tagesspiegel Innovation Lab. Das interdisziplinäre Team aus Journalisten, Programmierern und Designern arbeitet an Datenanalysen, neuen journalistischen Formaten und an Recherchen. Mit dem Team erhielt sie unter anderem den Deutschen Reporterpreis (Kategorie... Read More →
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Christina Brause

Investigator in Residence & Investigative Data Journalist, North Data
Christina Brause ist investigative Datenjournalistin und Investigator in Residence bei North Data. Zuvor war sie Stellvertretende Ressortleiterin des Investigativteams von Welt und Welt am Sonntag. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf internationaler Sicherheit, insbesondere an... Read More →
Friday June 12, 2026 12:00 - 13:00 CEST
U2

14:00 CEST

Die DHL-Masche: Wie wir mit OSINT, Datenanalyse und Vor-Ort-Recherche ein chinesisches Phishing-Netzwerk offenlegten
Friday June 12, 2026 14:00 - 15:00 CEST
„Ihr Paket kann nicht zugestellt werden“
Mit solchen Fake-SMS zockt ein kriminelles Netzwerk hunderttausende Menschen ab. Wir haben exklusive Einblicke in die Methode gewonnen und Täter identifiziert. In diesem Erzählcafé zeigen Alexander Nabert und Maximilian Zierer, wie diese internationale Recherche mit einem Hinweis von Hackern begann und uns in ein anderthalbjähriges Recherche-Rabbithole brachte. Wir erzählen konkret, welche Spuren wir verfolgten und wie wir methodisch vorgingen:

Mit OSINT-Recherchen verfolgten wir die Spuren der Scammer aus klandestinen chinesischsprachigen Telegramgruppen bis zu privaten Instagram-Accounts, auf denen sie öffentlich mit ihrem Reichtum prahlen.
Ein umfangreicher Datensatz mit rund 900.000 Betroffenen löste in uns den Call-Center-Modus aus. Wir riefen mehr als 200 Betroffene in Deutschland an, um Protagonisten zu finden und zu verstehen, wie der Scam abläuft. Am Ende fanden wir einen Chefredakteur und eine ehemalige Bundesministerin in den Daten. Mit einer Datenanalyse fanden wir heraus, dass die Scammer ihre Phishing-Seiten vor dem Einsatz testen und konnten so zeigen, dass viele der Scammer vom chinesischen Festland aus operieren.

Wir untersuchten die Software, mit der die Scammer betrügen und fanden heraus, dass sie es auf mehr als 130 Länder abgesehen haben – nur ausgerechnet auf China nicht.
Zwei der umtriebigsten chinesischen Scammer konnten wir in Bangkok lokalisieren. Dort klapperten wir Malls, Clubs und Bars ab, bis wir schließlich einen von ihnen zur Rede stellen konnten. Wir zeigen, wie so eine Vor-Ort-Recherche gemeinsam mit dem Team in Deutschland abläuft, mit automatisiertem Monitoring von Instagram-Kanälen und OSINT-Recherchen in Echtzeit. Anhand dieses Recherchebeispiels zeigen wir, wie vielfältig investigative Recherchemethoden im Jahr 2026 sind und wie die verschiedenen Recherchedisziplinen ineinandergreifen.

Die dreiteilige Investigativ-Dokuserie erschien im April in der ARD-Mediathek. Eine gemeinsame Recherche mit NRK (Norwegen) und Le Monde (Frankreich).
Speakers
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Maximilian Zierer

Datenjournalist, Bayerischer Rundfunk
Maximilian Zierer, geb. 1986, ist Datenjournalist und investigativer Reporter bei BR Recherche/BR Data. Für den BR berichtet er in Hörfunk, Fernsehen und Online meist über die dunklen Seiten der Technik, wie Datenhandel, Überwachungstechnik, staatlich gelenkte Hackerangriffe oder... Read More →
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Alexander Nabert

Reporter, Bayerischer Rundfunk
Alexander Nabert ist investigativer Reporter in München und Berlin. Er arbeitet für den Bayerischen Rundfunk und die ARD. Für seine Recherchen wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem European Press Prize.
Friday June 12, 2026 14:00 - 15:00 CEST
U2

15:30 CEST

Zu dicht dran: Wann Grenzen setzen wichtiger ist als Nähe
Friday June 12, 2026 15:30 - 16:30 CEST
Gute Geschichten brauchen Nähe. Aber zu viel Nähe kann belastend sein. Was schützt bei harten Themen davor, nicht selbst unter der Recherche zu leiden? Wie reagiere ich, wenn mich eine Situation emotional überfordert? Wie kann man sich abgrenzen, um aufdringliche Nähe von Protagonist:innen gar nicht erst entstehen zu lassen? Was kann man tun, wenn Protagonist:innen auch nach der Veröffentlichung penetrant den Kontakt suchen? Wie beendet man die Arbeitsbeziehung zwischen Journalist:in und Quelle auf professionelle Weise? Wir teilen praktische Tipps bei Probleme durch zu viel Nähe im Recherche-Alltag.
Moderators
MB

Margherita Bettoni

Freie Journalistin, Netzwerk Recherche
Margherita Bettoni ist freie Investigativjournalistin für Print und Fernsehen. Sie ist Co-Autorin der Bücher „Die Mafia in Deutschland. Kronzeugin Maria G. pack aus“, "Unbias the News: Why diversity matters for journalism", „Corona: Geschichte eines angekündigten Sterbens... Read More →
Speakers
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Friederike Engst

Psychologische Psychotherapeutin, Helpline von Netzwerk Recherche
Friederike Engst is a psychological psychotherapist (CBT, trauma therapy/EMDR), behavior and communication trainer and has been giving seminars and workshops for a wide range of groups since 2005. After professional positions in science and in prevention in the area of work and health... Read More →
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Jörg Diehl

Leiter Recherchekooperation, NDR-WDR-SZ
Jörg Diehl leitet seit Januar 2026 die Recherchekooperation des Norddeutschen Rundfunks, Westdeutschen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung. Zuvor arbeitete er fast 20 Jahre lang für den SPIEGEL, zuletzt als Ressortleiter Deutschland und Koordinator Investigativ. Er studierte... Read More →
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Julia Cruschwitz

investigative journalist, freelance
I am an investigative journalist specialized to report on violence against women and children and how to prevent it.
Friday June 12, 2026 15:30 - 16:30 CEST
U2

16:45 CEST

In 76 Sekunden zum Frauenhass: Wie man mit Bots und KI den Tiktok-Algorithmus durchleuchtet
Friday June 12, 2026 16:45 - 17:45 CEST
Wie beweist man, dass ein Algorithmus Jugendliche radikalisiert – wenn die Plattform selbst keinen Zugang zum Algo gewährt? In diesem Vortrag zeigen wir, wie wir mit selbstgebauter Infrastruktur TikToks Empfehlungssystem systematisch testeten und nachwiesen: Ein 15-Jähriger landet durchschnittlich nach fünf Minuten bei frauenfeindlichen Inhalten, obwohl TikTok angibt, dies zu verhindern.

In unserer Präsentation erzählen wir, wie wir unser Experiment aufgebaut haben und stellen alles nötige dafür zur Verfügung, inklusive eigens programmiertem Code. Das Publikum lernt, wie sie ihr eigenes Experiment aufsetzen können – und so Algorithmen durchleuchten und hinterfragen können.
Man lernt, wie man Handys automatisiert fernsteuert und jede Interaktion und jedes Video festhält. Und dann zeigen wir, wie man 100.000 TikTok-Inhalte mit KI klassifiziert, um ihren Manosphere-Anteil zu berechnen. Wie man Klassifizierungs-Prompts designt – und sie auf ihre Genauigkeit evaluiert. Und wie man multimodale LLMs einsetzt, um Text, Ton und Bild gleichermaßen zu berücksichtigen.

Aus unserer Recherche haben wir visuelle Onlinestücke, einen TV-Beitrag sowie einen Podcast gemacht. Wir geben Tipps, wie aus technischen Recherchen visuell attraktive Beiträge werden können. Wir teilen unsere Learnings und Fehler auf dem Weg dahin – und liefern einen Baukasten, um selbst mit relativ geringem Aufwand Algorithmen zu durchleuchten.
Speakers
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Julian Schmidli

Investigative Data Reporter, SRF
Julian Schmidli arbeitet als Reporter für «SRF Data», dem Daten-Team von Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Nebenbei ist er als Dozent zu den Themen Datenjournalismus und Onlinerecherche tätig.
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Pascal Albisser

Datenjournalist, SRF
Seit 2020 Datenjournalist bei SRF Data, dort vor allem in technischem Sphären unterwegs: Automatisierung, KI in der Recherche, Dashboards und interaktive Erzählformate.
Friday June 12, 2026 16:45 - 17:45 CEST
U2

18:00 CEST

Hitzestress und Gift im Wasser – selbst gemessen
Friday June 12, 2026 18:00 - 19:00 CEST
Daten für lokale und investigative Recherchen selbst mittels Sensoren zu erheben, lohnt sich. Yannik Achternbosch hat für die taz mit günstigen Thermometern gezeigt, wie Hitzenächte den Berliner:innen den Schlaf rauben – und dass das auch eine soziale Frage ist. Gesa Steeger und Annika Joeres wiesen für Correctiv anhand öffentlicher Daten und selbst genommener Wasserproben nach, dass der Rhein eben nicht immer sauberer wird.

Die beiden Recherchen füllen Lücken, die amtliche Messungen hinterlassen. Das Ergebnis sind exklusive Inhalte – die sich überall replizieren lassen. Genau darum geht es in dieser Session: Wie kann ich auch ohne eigene Fachkenntnisse Hitzestress und potenziell gesundheitsschädliche Stoffe im Wasser nachweisen? Wie viel Vorlauf und welches Budget sollte ich einplanen? Welche Hürden sind bei solchen Recherchen typischerweise zu nehmen?
Speakers
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Gesa Steeger

Senior Reporter, Correctiv
Gesa Steeger arbeitet als investigative Reporterin zu den Themen Klima, Wirtschaft und Finanzen. Sie koordiniert außerdem die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen CORRECTIV.Klima und dem CORRECTIV Lokalnetzwerk. Ihr Volontariat absolvierte sie an der Evangelischen Journalistenschule... Read More →
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Yannik Achternbosch

Journalist, taz
Seit 2023 Redakteur im Zukunftsteil der wochentaz. Vorher Datenjournalismus-Volo bei der SZ. In Nordhessen geboren, in Berlin Politikwissenschaft studiert und für den Tagesspiegel gearbeitet. Arbeitet neben Daten gerne zu Klimawandel, der Klimagerechtigkeitsbewegung und zivilem... Read More →
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Annika Joeres

Senior Reporterin, Correctiv / Zeit Online

Friday June 12, 2026 18:00 - 19:00 CEST
U2
 
Saturday, June 13
 

10:15 CEST

KI-generierte Inhalte: Wird OSINT jetzt überflüssig – oder unverzichtbar?
Saturday June 13, 2026 10:15 - 11:15 CEST
Generative Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant. Modelle wie Nano Banana, Veo 3 oder ElevenLabs machen es möglich audio-visuelle Inhalte zu erstellen, die kaum noch von der Realität zu unterscheiden sind. Der Beweischarakter von Fotografien und Audioaufnahmen droht bald vollends der Vergangenheit anzugehören.

Für all jene, die mit OSINT-Methoden recherchieren, bedeutet das eine große Herausforderung. Wie lassen sich Fotos, Videos und Audios überhaupt noch verifizieren, wenn selbst jedes zur Überprüfung verwendete frei zugängliche Material potenziell KI-generiert sein kann?

Dabei geht es bisher allerdings selten um vollständige Fakes, die sowohl in sich stimmig als auch eindeutig zu lokalisieren sind. Viel gefährlicher sind momentan noch Bearbeitungen von bestehenden Fotos und Videos durch die KI. Gleichzeitig werden LLMs und KI-gestützte Tools auch bei der Recherche immer wichtiger. Kann also die KI dabei helfen, manipulierte oder generierte Fotos, Videos und Audios zu erkennen?

Diese Fragen beschäftigen uns alle. Wir teilen unsere Erfahrungen, teilen Tipps, denn auch die Sinne spielen eine große Rolle, und wollen mit dem Publikum in einen interaktiven Austausch gehen – angeregt mit einem Quiz.
Speakers
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Leonard Scharfenberg

Redakteur Visual Investigation, Süddeutsche Zeitung
Leonard Scharfenberg ist Redakteur und CvD am Visual Desk der Süddeutschen Zeitung und dort für Visual Investigation zuständig. Er arbeitet daher viel mit sogenannten OSINT-Methoden, insbesondere zu schwer zugänglichen Kriegsgebieten. Sonst recherchiert er zu Arbeit und Ausbeutung... Read More →
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Julia Bayer

Investigativjournalistin & Innovationsmanagerin, DW
Julia Bayer ist Investigativjournalistin bei der Deutschen Welle. Sie nutzt OSINT, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltverbrechen aufzudecken. Als Innovationsmanagerin im Team Research & Cooperations der DW arbeitet sie an Projekten zur Verifikation und Deepfake-Erkennung wie... Read More →
Saturday June 13, 2026 10:15 - 11:15 CEST
U2
  KI und Recherche
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11:30 CEST

Aufgedeckt: Wie wir den Interessenkonflikt eines Berliner Politikers recherchierten
Saturday June 13, 2026 11:30 - 12:30 CEST
Der langjährige Berliner CDU-Politiker Christian Gräff ist ehrenamtlicher Geschäftsführer eines gemeinnützigen Vereins. Recherchen von Abgeordnetenwatch und Tagesspiegel zeigen, dass er diesen Verein offenbar auch für seine Geschäftsinteressen nutzt. 

In dieser Session geben die Referentinnen Einblick in den Rechercheprozess und leiten daraus Praxistipps ab: wie man in öffentlichen Registern recherchiert, warum es sich lohnt, zusätzlich Dokumente nach IFG zu beantragen, wie man richtig konfrontiert – und warum die besten Ergebnisse nur im Team möglich sind.
Speakers
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Tania Röttger

Journalistin, abgeordnetenwatch
Tania Röttger ist seit 2022 Journalistin bei abgeordnetenwatch. Zuvor arbeitete sie bei Correctiv, wo sie auch volontierte.
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Teresa Roelcke

Redakteurin, Tagesspiegel
Teresa Roelcke ist Redakteurin im Berlin-Ressort des Tagesspiegels. Sie betreut die Themen Stadtentwicklung, Immobilien, Bauen und Wohnen.
Saturday June 13, 2026 11:30 - 12:30 CEST
U2

13:45 CEST

Ein korrupter Staatsanwalt und eine Panne bei der Polizei: Wenn Lokaljournalist:innen privilegierte Quellen unter die Lupe nehmen
Saturday June 13, 2026 13:45 - 14:45 CEST
Es ist einer der größten Skandale, die Niedersachsens Justiz bisher erlebt hat: Ein offenbar korrupter Staatsanwalt soll über Jahre Informationen an ein international agierendes Drogenkartell durchgestochen haben, gegen das er selbst ermittelte.

Katharina Kutsche berichtet davon, wie sie mit ihrem Team der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung diesen Fall rund um Kokain, Boxclub und Aktenberge recherchier hat. Kontinuierliche Berichterstattung und eine detaillierte Rekonstruktion werfen die Frage auf: Was musste bei Polizei und Justiz alles schief laufen, dass der Maulwurf so lange unentdeckt blieb?



Patrick Schwemling recherchierte zu einer Gewalttat in der Mindener Innenstadt und entlarvte dabei eine Ermittlungspanne der Polizei. Den Beamten war 2024 eine ganze Woche lang verborgen geblieben, dass ein angegriffener Mann lebensgefährlich verletzt worden war. Verzweifelte Angehörige vertrauten sich dem Redakteur des Mindener Tageblatts an. Erst aufgrund der Recherchen von Schwemling bildeten die Ermittler eine Mordkommission. Und wegen der Recherchen änderte die Polizei schließlich die internen Abläufe.



Die Speaker:innen stellen ihre Recherchen vor und zeigen, wie sie vorgegangen sind. Sie diskutieren auch über eine wichtige Frage des Lokaljournalismus:

  • Wie gehen wir mit privilegierten Quellen wie Polizei und Justiz um?
  • Wie sehr vertrauen wir ihren Informationen im Redaktionsalltag?
  • Und was passiert, wenn diese Quellen auf einmal selbst Gegenstand der Recherche werden?
Speakers
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Patrick Schwemling

Teamleitung Digitales, Mindener Tageblatt
1988 in Minden geboren, dort aufgewachsen und nach dem Abitur und dem Studium in Paderborn 2015 in die alte Heimat zurückgekehrt. Schon während des Studiums im Lokalsport aktiv, vor allem im Fußball. Seit Sommer 2019 ausschließlich in der Digital-Redaktion unterwegs. Zunächst... Read More →
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Katharina Kutsche

Reporterin Wirtschaft, Hannoversche Allgemeine Zeitung
Katharina Kutsche ist seit 2022 Redakteurin bei der Hannoversche Allgemeinen Zeitung/Neue Presse und berichtet niedersachsenweit über Unternehmen und die Arbeitswelt. Zuvor hatte die gelernte Kriminalbeamtin die Deutsche Journalistenschule in München (53. LR) besucht und mehrere... Read More →
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Silja Kummer

Redaktionsleiterin, Heidenheimer Zeitung

Saturday June 13, 2026 13:45 - 14:45 CEST
U2

15:00 CEST

Große Datenanalysen im Lokalen nutzen
Saturday June 13, 2026 15:00 - 16:00 CEST
Leser*innen lieben Datengeschichten: Der Blick auf eine Karte oder ein Diagramm erklärt die Lage intuitiv und eindrücklicher als ein Text allein. Und eine lokaler Fall bekommt Gewicht, wenn Zahlen belegen, dass er für ein größeres Problem steht.

Wie können lokale und regionale Redaktionen mit wenig Ressourcen trotzdem mit Daten arbeiten? Das Science Media Center und CORRECTIV.Europe bieten dafür praktische Lösungen an. 

Das Science Media Center Germany führt immer wieder Erreichbarkeitsanalysen bei Krankenhäusern durch. Das Spektrum reicht dabei von der Schlaganfallversorgung bis zur Umsetzung der Klinikreform in NRW. Mit den Klinik-Erreichbarkeiten bietet es jetzt auch ein Tool an, das es Regionaljournalismus ermöglicht, schnelle Erreichbarkeitsanalysen eigenständig durchzuführen, zum Beispiel bei Schließung einer Klinik oder einer Abteilung.

CORRECTIV.Europe liefert Lokaljournalist*innen in ganz Europa Datensätze zu alltagsrelevanten Themen wie Mieten, Heizkosten oder Luftverschmutzung – lokal heruntergebrochen und im Paket mit Storyideen und Hintergrundinfos.

In dieser Session zeigen beide Projekte, wie Lokal- und Regionaljournalist*innen an ihren Recherchen teilhaben können. 
Speakers
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Frida Thurm

Senior Reporterin, CORRECTIV
Frida Thurm ist seit Oktober 2024 Reporterin bei CORRECTIV.Europe. Zuvor verantwortete sie das Gesellschaftsressort von Zeit Online. Für ihre Arbeit wurde sie mit dem Coburger Medienpreis ausgezeichnet und für den Reporterpreis nominiert. Sie mag Menschen. Und Daten. Und dass sich... Read More →
avatar for Lars Koppers

Lars Koppers

Datenwissenschaftler, Science Media Center
Lars Koppers arbeitet als Datenwissenschaftler im SMC Lab und ist dort Kontaktperson für den Datenjournalismus. Er hat Statistik mit dem Schwerpunkt Biometrie in Dortmund studiert und forschte dort anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter im "Dortmund Center für datenbasierte... Read More →
Saturday June 13, 2026 15:00 - 16:00 CEST
U2

16:15 CEST

Jenseits der Opferrolle: Neue Narrative in der Berichterstattung über rechte Gewalt
Saturday June 13, 2026 16:15 - 17:15 CEST
Die Aufarbeitung von NSU und Hanau zeigt strukturelle Defizite der Berichterstattung: Betroffene bleiben in Opferrollen fixiert, traditionelle Formate sprechen über Menschen statt mit ihnen. Vor diesem Hintergrund stellen sich zentrale handwerkliche Fragen:
  • Wie gelingt die Berichterstattung über rechte Gewalt jenseits der Opferrolle – durch narrative Interviewtechniken, die traumatisierete Betroffene als handelnde Subjekte zeigen?
  • Welche kulturellen Codes spielen insbesondere bei muslimischen oder migrantisierten Betroffenen eine Rolle?
  • Und welche Methoden kontextualisieren Betroffenenportraits in der Kontinuitätsdebatte um NSU und Hanau sachlich, ohne Objektivierung oder Instrumentalisierung?

Das Kollektiv MIKRASS erprobt und entwickelt diese methodischen Ansätze seit Jahren in der redaktionellen Praxis. Die Arbeit umfasst Langzeitrecherchen zu den Kontinuitäten rechter Gewalt, die Entwicklung narrativer Interviewformate sowie die Produktion preisgekrönter Formate – von Dokumentationen bis zu digitalen Kurzvideos.
Aktuell realisiert MIKRASS das Projekt „MigraMemory: Women of Change“ (gefördert von Wikimedia Deutschland), in dem Projekt stellen Angehörige der Opfer des NSU-Netzwerkes und anderer Opfer rechter Gewalt ihre Perspektiven und Erinnerungen selbstbestimmt in den Mittelpunkt – jenseits traditioneller Opfer-Narrative.


Die Learnings aus dem Projekt fließen in den Vortrag ein. Der Vortrag lädt Journalist:innen ein, neue Narrative jenseits von Defizit- und Opferlogiken zu entwickeln – als demokratische Praxis in einer postmigrantischen Gesellschaft, die zunehmend unter Druck steht.
Saturday June 13, 2026 16:15 - 17:15 CEST
U2
 
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